Der Brunch und seine Geschichte

Das späte Frühstück - Brunch

Schon mal „Linner“ gegooglet?

Wir meinen das ernst! Die Suchmaschine kommt auf ca. 1.350.000 Ergebnisse. Techniken der Metallverarbeitung, Hotels, Apotheken, Eigennamen an vorderster Stelle. Brunch dagegen hat sogar ca. 120.000.000 Einträge.

Laut Wikipedia ist Brunch „eine Mahlzeit, die in der Mitte des Morgens zwischen der normalen Zeit des Frühstücks oder dem Kaffee am Morgen und dem eigentlichen Mittagessen als Ersatz für beide Mahlzeiten eingenommen wird.“ Das Wort “Brunch” setzt sich zusammen aus “breakfast” und “lunch”, was ziemlich genau beschreibt, um was es sich handelt, während “Linner” nicht in unseren Sprachgebrauch oder die von uns genutzten Ratgeber eingegangen ist – zumindest nicht als Bezeichnung für eine Mahlzeit.

In diesem Sinne, einen Toast auf ein Stück Kulturgut in unserer Geschichte: das Frittagessen.

Was steckt hinter der Geschichte von dem Brunch?

Der Brunch – nicht zu verwechseln mit dem zweiten Frühstück oder der Tee- oder Kaffee-Pause – entstand im Laufe des 18. Jahrhunderts in Großbritannien. Die Briten verstanden es also schon früh in ihrer Geschichte nicht nur ihren Nachmittag, sondern auch den Morgen kulinarisch zu füllen.

Wie Colin Spencer in ’British Food: An Extraordinary Thousand Years of History’ belegt, enthielt bereits 1865 ein englisches Rezeptbuch Vorschläge zur Bereicherung des sonst so leichten “Tea & Toast Breakfast”. 1887 unterschied Major L., der Autor des Buchs “Breakfasts, Luncheons and Ball Suppers” vier Arten von Frühstück: Das normale “familiy breakfast”, das “déjeuner à la fourchette” (bei dem einzelne Gänge gereicht wurden), die “cold collation” (ein schön angerichteter Imbiss) und den “amigu” (eine Mahlzeit so üppig wie ein Dinner, bei welcher alle Speisen gleichzeitig aufgetischt wurden)  – heute besser als “All you can eat” Buffet bekannt, welches auch beim modernen Brunch sehr beliebt ist.

Der Ursprung der Wortes Brunch jedoch wird laut Oxford English Dictionary auf einen Jäger zurückgeführt. 1895 veröffentlicht Guy Beringer sein Plädoyer auf das zunächst als Oxford Slang erschienene Wortkonglomerat unter dem Titel “Brunch: A Plea” in der Zeitschrift Hunter’s Weekly. Die Kombination aus Frühstück und Mittagessen sei nicht nur nach der Jagd die ideale Mahlzeit, so der passionierte Jäger, sondern auch dem traditionellen “early sunday dinner” nach dem Kirchgang vorzuziehen. Der Vorteil beim Brunch liege darin, dass man sonntags später aufstehen könne. Ein Brunch sei “cheerful, sociable and inciting”, also heiter, gemütlich und anregend – daran hat sich bis heute nichts geändert und das wird euch auch jeder Ratgeber bestätigen. Insbesondere der Sonntagsbrunch steht heute bei vielen Liebhabern kulinarischer Köstlichkeiten regelmäßig auf dem Plan.

Seine weltweite Beliebtheit und spannende Geschichte hat das opulente, zeitlich ausgedehnte Frühstück – der Brunch – jedoch dem Weg über Amerika zu verdanken. Dort machte sich das, wir übersetzen: “Frittagessen”, in den 1930er-Jahren unter den damaligen Herrschaften breit, was auch die in den USA heute so beliebte Tradition des Muttertags-Brunch erklärt. Eine schöne Art zu zeigen, wie wichtig die Mama für die Familie ist. Denn auch, wenn man heute weltweit “bruncht”, so zeigt die Geschichte, dass dieses Privileg nicht immer allen zugänglich war.

Die Speisen, das Aussehen der Kaffee- und Kuchen-Service, oder die Tischmanieren variierten zwar nach Epoche, dennoch konnten es sich in den letzten Jahrhunderten unserer Geschichte ausnahmslos die oberen Schichten leisten, ausgedehnt zu genießen und zu brunchen.

Der Brunch heute

Eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Technomic und anderer Ratgeber-Blogs zeigt, dass sich unsere Frühstücks-Gewohnheiten weiter verändern. Kaffee spielt – nicht weiter überraschend – eine entscheidende Rolle. 33 Prozent der befragten US-amerikanischen Konsumenten sind einer Kaffee-Marke und Kaffee-Zubereitungsart treu. Der Verzehr von Nonfat- und Vollkorn-Produkten steigt. 46 Prozent nehmen ihr Frühstück lieber in Restaurants ein, als es hastig auf der Hand zu verzehren. 25 Prozent der Konsumenten gönnen sich regelmäßig ein großes, traditionelles Frühstück am Wochenende.

All you can eat

Und genau dann finden sie statt, die heißen Schlachten an den All-you-can-eat-Buffets, bei denen sich die wahre Natur des Menschen  – und zwar beider Geschlechter gleichermaßen – offenbart. Erwachsene Männer arbeiten sich im Schweiße ihres Angesichts an gleich zwei Tellern mit Rührei-Bergen und literweise Kaffee ab, während Frauen die Reste in Servietten wickeln. Da loben wir uns doch einen gesitteten Brunch im Familien- oder Freundeskreis, wo alle mit anpacken und jeder was beisteuert. Da kann man schließlich auch so viel essen, wie man eben kann und braucht keine Anleitung aus einem Ratgeber, um das Event satt zu überstehen.

Welche Rolle spielt der „Brunch“ bei den Franzosen?

Croissants und Café sind bei unseren Nachbarn nach wie vor très chic, und das nicht nur entlang der Seine. Latte Macchiato hat bei den Franzosen keine Chance, es gibt allenfalls einen Café au Lait auf dem Weg ins Büro. Aber am Wochenende, tja da lassen die Franzosen nicht nur die Baguettes richtig krachen. Die Académie française setzt sich seit Jahren für das Wortgut, die „Vereinheitlichung und Pflege der französischen Sprache” ein, und wacht darüber, dass Franzosen keine englischen Begriffe wie “Brunch” in ihren Wortschatz aufnehmen. Stattdessen solle bitte das Wort für Frühstück “petit déjeuner” mit dem Zusatz groß, also “le grand petit déjeuner” versehen werden. Umso verwirrender, da “déjeuner” eigentlich das französische Wort für Mittagessen ist. Wundert es euch also, dass die Franzosen lieber “brunchen” als “das große kleine Mittagsessen” einzunehmen? Pas du tout, das versteht auch kein Ratgeber.

Schön gedeckter Tisch zum Brunch

Credit: www.zarahome.com

Linner oder Dunch sind keine ausgefallenen Kaffee-Sorten

Was es damit auf sich hat? Das erfahrt ihr, indem ihr unsere Geschichte über den Brunch weiterlest.

Wer sich an die oft-zitierte Ratgeber-Regel „viele kleine Mahlzeiten am Tag“ hält, der ist ihnen vielleicht schon mal begegnet, den Wortkonglomeraten aus Lunch und Dinner. Laut urban dictionary bezeichnet Linner eine Mahlzeit, die zwischen Mittag und Abend, jedoch näher am Mittag als gegen Abend eingenommen wird. Der jüngere Bruder von Linner heisst Dunch. Wer im Post-Lunch Pre-Dinner Zeitfenster noch mal Hunger verspürt, der duncht also zwischendurch. Und sei es nur ein Croissant, das man kurz entschlossen in seinen Kaffee dippt.

Woraus sich folgende nachmittägliche Essens-Agenda ergibt:

Lunch –> Linner –> Dunch –> Dinner

Diese Aufreihung von Mahlzeiten wie Perlen auf einer Kette ist allerdings ebenso unüblich wie die dazugehörigen Wortkreationen (auch Kofferwörter oder Portmanteaux genannt), weshalb ihr sie in keinem Ratgeber finden werdet. Nur der Brunch und das Brunchen haben es fest in den alltäglichen Sprachgebrauch geschafft. Für Dunch und Linner hat sich längst eine andere Bezeichnung durchgesetzt: Kaffee bzw. Teatime.
Letzteres stammt übrigens auch aus Großbritannien. Darauf einen Toast!

Lest hier mehr über die neuesten Kaffeetrends und weitere Ratgeber-Tipps!