Small Talk! So kommt ihr ins Gespräch…

Small Talk zwei Personen

Wie geht es euch? Habt ihr gut hergefunden?

Nein, ihr müsst das jetzt nicht beantworten, diese Fragen sollen euch verdeutlichen: Ein gelungener Gesprächseinstieg mit eurem Besuch ist die ganze Miete. Wir unterhalten uns in diesem “Small Talk-Ratgeber“ allerdings nicht über Business-Strategien oder ausgeklügelte Flirt-Praktiken, sondern über Gespräche unter Bekannten, die so bei einer Tasse Kaffee zu Freunden werden. Souverän und gleichzeitig taktvoll miteinander umgehen, das kann man trainieren. Machen wir uns also auf in den Kampf um unsere Konversations-Kultur.

Worum geht es beim Small Talk eigentlich?

Jeder kennt den Begriff Small Talk, nicht erst durch unseren Ratgeber. Er hat sich längst in unseren Grundwortschatz geplaudert. Beim Small Talk geht es darum, über ein kurzes, spontanes Gespräch mit seinem Besuch Kontakte zu pflegen oder – zu Fremden – gar erst herzustellen. Small Talk ist eine leichte, jedoch keineswegs seichte Form der Unterhaltung. Denn jedem noch so intimen Gespräch geht ein Geplänkel voraus.

Die Band Roxette hat das in ihrem Hit “Small Talk” 1991 so ziemlich genau auf den (wunden) Punkt gebracht.

Wund, weil unterschätzt. Es geht beim Small Talk um mehr, als darum, über das Wetter zu philosophieren oder dem Besuch eine Tasse Kaffee anzubieten. Was mitschwingt ist interessant. Es geht um Höflichkeit und respektvolles Verhalten, darum, Gemeinsamkeiten zu entdecken, Beziehungen aufzubauen und auf andere zu zugehen (wenn das nicht nach Ratgeber klingt). Aber Spaß beiseite: Small Talk fungiert als Türöffner und kann auch bei ungeplantem Besuch eine angenehme Atmosphäre schaffen, an die wir uns gut und gerne erinnern. Das dahinter ist also viel größer, als der “kleine” Begriff Small Talk zunächst vermuten lässt.

Sechs Regeln für gepflegten Small Talk

1. Ratgeber-Regel: Namen merken

“Elena, wie geht’s dir?”
“Gut. Vielen Dank, Melanie. Und dir?”
Jeder wird gerne mit seinem Namen angesprochen.
Das glaubt ihr nicht? Probiert es doch selber mal aus.
Wir merken uns Namen am besten, indem wir sie so oft wie möglich anwenden.
Also am besten gleich bei der Vorstellungsrunde laut wiederholen.

Beispiel:
“Das ist Elena.”
“Hallo, Elena. Schön, dich kennen zu lernen.”

Ehrlich und authentisch sein

Falls ihr jemandem bereits vorgestellt wurdet und den Namen vergessen habt, hakt doch einfach ehrlich nach: “Entschuldige bitte, wie heißt du nochmal?”

Nichts ist peinlicher, als Wissen vorzutäuschen und dann entlarvt zu werden.

Der Vorstellungs-Trick

Falls ihr mit einem Freund/einer Freundin unterwegs seid und beim Kaffee trinken jemanden trefft, dessen Namen euch nicht einfällt, hilft folgender Trick:

Bittet eure Begleitung im Vorhinein sich immer selbst vorzustellen. “Hallo, ich bin der Martin.” Dann wird ein höflicher Bekannter beim Small Talk auch seinen Namen nennen, ohne dass ihr in die unangenehme Situation kommt, die beiden einander vorstellen zu müssen.

Smalltalk Tipps beim Vorstellen

2. Ratgeber-Regel: Der Gesprächseinstieg 

Da vorne sind sie. Hmmm… Was sag ich jetzt nur?

Wenn euch nicht gleich etwas Sinnvolles einfällt, wie wär’s mit einem Lächeln? Ein Lächeln ist ein Eisbrecher und der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen.

Die 3 Sekunden Regel

Nach dem ersten Augenkontakt können bis zu 3 Sekunden vergehen, danach erst entsteht peinliches Schweigen. Nicht bei euch, denn ihr wagt den ersten Schritt und geht auf euren Besuch zu. Ladet in doch zu einer Tasse Kaffee in euer Lieblings-Café ein!

Wer nicht fragt, der nicht gewinnt – vor allem nicht beim Small Talk

Überlegt doch mal rein statistisch. Wenn ihr eine Frage – und sei sie auch geschlossen – stellt, besteht zu 50% die Möglichkeit, dass ihr eine positive Antwort von eurem Besuch erhaltet. Dagegen liegt die Wahrscheinlichkeit bei 0%, wenn ihr gar nicht erst den Mund aufmacht.

Und auch wenn das nicht eurem Naturell entspricht, habt keine Scheu davor, Offensichtliches oder Belangloses anzusprechen. Genau das ist als Gesprächsbeginn geeignet. Es geht darum, während der ersten Small Talk-Versuche Gemeinsamkeiten zu entdecken. Vergesst den Pulitzer-Preis für das gehaltvollste “Interview” auf Small Talk-Basis.

Mit diesen Floskeln hättet ihr die Auszeichnung eh nicht bekommen:

„Herrliches Wetter, das wir jetzt schon ein paar Tage haben.“
“Wie geht es dir?”
“Wo kommt ihr denn gerade her?”
“Steht dir gut, die neue Frisur.”
„Dort drüben gibt es den besten Kaffee“

Wählt am besten positiv besetzte Themen, wie z.B. euren letzten Café-Besuch aus.

3. Ratgeber-Regel:  Small Talk Do’s und Tabus

Wer nicht über das Wetter reden möchte, kann beispielsweise Gemeinsamkeiten mit dem Gegenüber suchen. Mindestens eine gibt es immer: Ihr seid ja schließlich mit dem Gesprächspartner zur selben Zeit am selben Ort.

Was ist mit Vorlieben? Daraus kann man auch schöne Gast-Geschenke eruieren.

Kommt schon, geht in Vorlage und gebt was von euch Preis, muss ja nichts Intimes sein. Ach ja und bitte auch nichts hiervon zu eurem Besuch…

Tabu-Themen beim Small Talk

Stellt euch vor, ihr sitzt in der Vorstellungsrunde eines Seminars. Wie würdet ihr euch präsentieren bzw. was würdet ihr von anderen gerne gefragt werden wollen – und was nicht?

Beruf und Alter sind Themen, die man abwägen sollte. Streit mit Freunden, die kranke Großmutter oder eigene Wehwechen. Wo ist eure persönliche Grenze?

In USA beispielsweise ist es üblich beim Small Talk über den Job und auch das Gehalt zu sprechen.
Generell gilt: Negatives kommt beim Small Talk schlecht an. Auch Politik, Religion, Geldfragen oder Lästereien, Geschichten, die jemanden in ein unschönes Licht rücken, sind tabu, während ihr mit der Frage nach der Lieblingstee- oder Kaffee-Sorte nicht allzu viel falsch machen könnt.

4. Ratgeber-Regel: Diskretion und positive Reaktionen

Pleiten, Pech und Pannen? Passieren. Bitte an dieser Stelle ganz doll ein Lächeln unterdrücken und den Moment lieber dazu nutzen, etwas Aufmunterndes zu äußern, anstatt eurem Besuch Salz in die Wunde zu streuen.

Das macht euch sympathisch und ihr bleibt als der-/diejenige in Erinnerung, die positiv und souverän, gerne auch an der richtigen Stelle humorig, selbst schüchterne Gäste bewusst ins Gespräch einbezogen hat.

5. Ratgeber-Regel: Nicht zu viel von sich selbst reden, sondern auch mal den Besuch zu Wort kommen lassen

Falls euch Plaudern Spaß macht und ihr euch gerne mitteilt, dann passt auf, dass ihr beim Small Talk nicht übers Ziel hinausschießt. Je mehr euch ein Thema beschäftigt und je emotionaler ihr damit verbunden seid, desto mehr lauft ihr Gefahr, das Gespräch an euch zu reißen. Da es beim Small Talk allerdings um Gemeinsames geht, ist es gut, wenn ihr euren Gesprächpartner beobachtet. Nimmt er wirklich noch interessiert Anteil an der Unterhaltung? Schaut er bereits suchend im Raum umher, nippt an seinem Kaffee oder tippt geschäftig in sein Smartphone? Ist letzteres der Fall, beendet euren Redeschwall.

Zum Beispiel indem ihr eine Frage stellt. “Was sagst du dazu?” Damit könnt ihr leicht herausfinden, ob sich euer Eindruck bestätigt oder der Gesprächspartner mit eurer Thematik vielleicht einfach unterfordert war.

6. Ratgeber-Regel: Fragen stellen

Wenn euch etwas berichtet wird, auch wenn sich das Gespräch ausnahmsweise um ein Thema rankt, von dem ihr nichts wisst, dann zeigt Interesse daran. Und zwar indem ihr Fragen zum Thema stellt, die belegen, dass ihr aufmerksam zuhört. Ins Handy zu tippen oder gelangweilt in den Kaffee-Becher zu starren ist unhöflich und ein No-Go für euren Besuch – es sei denn ihr macht euch in eurem “Small Talk-Ratgeber“ Notizen zum Thema, weil ihr später darüber referieren oder doch noch den Pulitzer abstauben wollt.

Gerade dann ist es empfehlenswert, offene Fragen zu stellen, auf die man nicht nur mit Ja oder Nein antworten kann, denn diese halten ein Gespräch am Laufen.

  1. Offenheit über Wissenslücken: “Entschuldige, aber was bitte sind Erdäpfel?“
  2. Respekt – gebt euch beeindruckt: “Das ist wirklich toll. Woher weißt du das alles?“
  3. Spezielle Frage: “Kennt ihr eigentlich die neuesten Kaffee-Trends?”
  4. Allgemeine Frage: “Was willst du denn damit sagen?”

Letztere, die allgemeine Gegenfrage, nimmt einem potenziellen Alleinunterhalter (siehe Punkt 5) den Wind aus den Segeln. Mit der speziellen Frage solltet ihr nur reagieren, wenn ihr tatsächlich Ahnung vom Thema habt.

Also schnell mal bei den Notizen im Handy oder “Small Talk-Ratgeber“ nachsehen und dann aufpassen, dass ihr selbst nicht zum Rechthaber werdet. Oder gar einen Streit anzettelt.

Smalltalk Tipps Streit vermeiden

Beim Small Talk kommt es nämlich NICHT darauf an, ob nun das eine oder andere richtig ist. Es geht nicht um den Unterschied zwischen Kaffee und Tee. Vielmehr plaudert ihr mit bekannten und unbekannten Menschen darüber, wie ihnen Kaffee und Tee schmecken! Oder auch ein anderes Obst. Egal, bei welchem Wetter. Hauptsache, ihr unterhaltet euch gut mit eurem Besuch.

Also trefft euch mal wieder mit euren Offline-Freunden zum Kaffee, zu Hause oder in eurem Lieblingscafé, probiert unseren “Small Talk-Ratgeber“ aus und berichtet uns dann, worüber ihr bei eurem Besuch so geplaudert habt.

Wir würden uns freuen!